Jahrgang 2025: Balance, Präzision und differenzierte Entscheidungen
Jahrgang 2025: Balance, Präzision und differenzierte Entscheidungen
Nach dem herausfordernden Jahrgang 2024 präsentierte sich 2025 insgesamt als ein deutlich ausgeglicheneres und „ruhiger verlaufendes“ Weinjahr. Extreme Wetterereignisse blieben glücklicherweise aus: Weder Frostschäden im Frühjahr noch Hagelereignisse im Sommer stellten die Weinberge und unsere Mitglieder vor größere Probleme. Ein schönes Frühjahr mit frühem Austrieb und ein überwiegend stabiler Sommer sorgten für sehr gute Ausgangsbedingungen und nährten früh die Hoffnung auf einen vielversprechenden Jahrgang.
Ein anspruchsvoller Herbst für die Weißweine
Mit diesen positiven Voraussetzungen starteten wir mit großen Erwartungen in den Herbst. Die Trauben präsentierten sich bis in den August hinein in sehr gutem Zustand, gesund und mit viel Potenzial. Ende August und Anfang September kam es jedoch immer wieder zu Niederschlägen, die insbesondere bei den Weißweinsorten erhöhte Aufmerksamkeit erforderten. Vor allem die Burgundersorten – allen voran der Weißburgunder in den Höhenlagen zwischen 400 und 600m – stellten uns vor Herausforderungen.
Hier galt es, den optimalen Lesezeitpunkt sehr genau abzuwägen: Ziel war es, eine ideale physiologische Reife zu erreichen, ohne aufgrund von Fäulnisdruck zu früh lesen zu müssen. Diese Balance verlangte viel Aufmerksamkeit im Weinberg und eine sehr differenzierte Herangehensweise je nach Lage und Höhenstufe. Die fehlenden klaren Sonnentage zwischen den Regenphasen verlangsamten die Reifeentwicklung insbesondere in den höheren Lagen – hier waren Geduld und ruhige Nerven gefragt.
Sehr positiv hervorzuheben sind Chardonnay, Sauvignon und Gewürztraminer: diese zeigen sich trotz der wechselhaften Bedingungen sehr sortentypisch und spiegeln ihr Terroir sehr gut wider.
Vernatsch als großer Gewinner
Besonders erfreulich präsentierte sich der Vernatsch, für den 2025 als ausgesprochen starker Jahrgang bezeichnet werden kann. Sowohl im Sommer als auch im Herbst stimmten die Bedingungen, was zu sehr gesundem Traubenmaterial führte. Unser SONNTALER zeigt eine kraftvolle Struktur, eine schöne, reife Frucht und eine bemerkenswerte Komplexität am Gaumen.
Auch beim Blauburgunder wurde im Vergleich zum Vorjahr zugelegt: GLEN und MAZON präsentieren sich harmonischer als im Vorjahr, mit schöner Frucht, guter Struktur und weichen Tanninen.
Merlot, Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon und Lagrein wurden aufgrund der herausfordernden Bedingungen im Herbst zwar vergleichsweise früh gelesen, erreichten jedoch dennoch einen sehr guten Reifegrad der Gerbstoffe und Phenole. Dass wir uns auch hier auf einen schönen Jahrgang freuen dürfen, ist nicht zuletzt dem großen Einsatz und der Flexibilität unserer Mitglieder zu verdanken, die erneut das Beste aus einem anspruchsvollen Herbst geholt haben.
Konzentrierte Ernte, Mikroklimata und der Vorteil kleinstrukturierter Betriebe
Die Ernte selbst verlief sehr konzentriert. Sie begann rund eine Woche früher als im Schnitt und blieb bis Ende September sehr intensiv: hohe und tiefe Lagen sowie Weiß- und Rotweinsorten wurden teilweise parallel gelesen, was unserem Team im Keller einiges abverlangte.
Einmal mehr zeigte sich, wie unterschiedlich sich die vielfältigen Höhenlagen und Mikroklimata auf die Entwicklung der Reben und Trauben auswirken. Sorten wie Vernatsch und Weißburgunder, die ihre Reife grundsätzlich zur ähnlichen Zeit erreichen, lieferten sehr unterschiedliche Resultate. Diese Differenzierung ist Herausforderung und Stärke zugleich und prägt den Charakter unserer Weine maßgeblich.
Auch in einem Jahr wie 2025 erwies sich die kleinstrukturierte Organisation unserer Weinberge als großer Vorteil. Die enge Zusammenarbeit mit unseren Mitgliedern, die hohe Präsenz in den Weinbergen und die individuelle Betreuung jeder einzelnen Parzelle waren entscheidend, um das Traubenmaterial optimal zu begleiten und die Qualität konsequent abzusichern.
Fazit: Ausgewogene Weine mit Struktur und Komplexität
Die Alkoholwerte blieben auch dieses Jahr moderat und ausgewogen, gleichzeitig zeigen die Weine bereits jetzt eine höhere Komplexität als jene des Jahrgangs 2024. Charakteristisch für den Jahrgang 2025 sind eine schöne Säurestruktur, gute Balance und dennoch spürbare Struktur.